Mehr als 200 Zuhörer füllten den Weinbrennersaal des Kurhauses Baden-Baden, in den die Patronatsgesellschaft zum Auftakt des Jahres zu einem Erlebnisabend unter dem Titel „Vom Wesen des Klangs“ eingeladen hatte. Schon der Auftakt machte klar, dass es an diesem Abend nicht bei theoretischen Ausführungen bleiben würde: Der junge Karlsruher Pianist Eren Parmakerli eröffnete
das Programm mit einer fulminanten Interpretation von Frédéric Chopins „Revolutionsetüde“ auf einem eigens auf Augenhöhe mit dem Publikum platzierten neuesten Steinway-Flügel „Jet Noir“.
Mit kräftiger Stimme – die Mikrofone versagten zunächst ihren Dienst – begrüßte Christian Baader, Präsident der Patronatsgesellschaft, die anwesenden Mitglieder und Gäste und schlug den Bogen vom unmittelbar erlebten Klang hin zum Instrument selbst. Im Zentrum des Abends standen der Flügel und sein wohl berühmtester Hersteller: Steinway & Sons, Sinnbild für höchste Qualität im Klavierbau. Baader dankte allen am Zustandekommen des Abends Beteiligten und erinnerte daran, wie wichtig gerade in finanziell herausfordernden Zeiten bürgerschaftliches Engagement für die Kultur sei. Die Patronatsgesellschaft stünde dafür inzwischen gemeinsam mit über 620 Mitgliedern ein.
Kompetent und leidenschaftlich führten anschließend Claudio Labianca, leidenschaftlicher Klavierbauer und Inhaber des Klavierhauses Labianca Offenburg sowie der Steinway Gallery Baden-Baden, sowie Jörg Helmke, Area Manager Europa von Steinway & Sons, durch die Geschichte des legendären Unternehmens: Von den Anfängen des deutschen Auswanderers Heinrich Engelhard Steinweg über seine New Yorker Firmengründung im 19. Jahrhundert bis zur Expansion innerhalb der USA und nach Europa mit der europäischen Fertigungszentrale in Hamburg. Ausführlich wurden die technischen Innovationen besprochen, mit denen Henry E. Steinway und seine Söhne maßgebliche Impulse für die Entwicklung des modernen Klaviers gegeben hatte: Das aus geschichtetem Hartholz in einem Stück gebogene Gehäuse, der sensibel schwingende Membran-Resonanzboden, die ausgefeilte Mechanik und die stimmungsstabile gewölbte Gussplatte sind nur einige der vielen Patente, die verdeutlichten, warum Steinway bis heute die Maßstäbe im Klavierbau setzt.
Wiederholt wurde der Vortrag durch musikalische Beiträge Eren Parmakerlis bereichert – darunter Chopins Ballade Nr. 3 und ein zeitgenössisches Werk von Ahmet Adnan Saygun, bei dem der Pianist auf einmal aufstand und sich ins Publikum setzte, während der Flügel wie von Geisterhand weiterspielte. Mit diesem Überraschungseffekt war der Übergang zur Besprechung der neuesten Steinway-Innovation gelungen: dem hochauflösenden Spirio-Selbstspielsystem.
Zum Schluss gab der hochbegabte 14 Jahre alte Pianist in einem kurzen Bühneninterview Einblicke in seinen Werdegang und seine Disziplin – das Klavier sei sein Leben, Schule das Hobby. Zum Abschluss dankten die Referenten dem begeisterten Publikum, bevor Christian Baader auf die nächste Veranstaltung der Patronatsgesellschaft am 25. Februar hinwies.
Ein inspirierender Abend, der zeigte: Über Klang kann man reden – und ihn zugleich intensiv erleben.









