Hinter den Kulissen – Patronaten erleben Theater Baden-Baden hautnah
Ein unscheinbares Industriegebäude nahe dem Bahnhof, ein Treppenaufgang, eine schwere Tür – und dahinter eine Welt, die dem Theaterpublikum sonst verborgen bleibt. 28 Mitglieder der Patronatsgesellschaft für Theater und Philharmonie Baden-Baden e.V. erhielten jüngst einen eindrucksvollen Einblick in die Entstehung eines Theaterabends – Eindrücke, die noch lange in Erinnerung bleiben dürften.
Präsident Dr. Christian Baader begrüßte die Gäste mit einer kurzen Ansprache, bevor Intendantin Nicola May die Gruppe in zwei Hälften teilte. Die eine folgte Chefdramaturgin Kekke Schmidt in den Kostümbereich. Dort führte Kostümabteilungsleiterin Anne Klein durch Schneiderei, Zubehörfundus und den großen Kostümfundus. In einem bis zur Decke reichenden Labyrinth verschiebbarer Regale sind dort Hunderte von Kostümen geordnet nach Epochen, Anlässen und Kleidergrößen organisiert. Sieben Mitarbeiterinnen, enge Budgets, hohe Ansprüche: Klein erklärte anhand konkreter Beispiele aus „Das weite Land“, einer Tragikomödie von Arthur Schnitzler, die im Mai Premiere feiern wird, wie aus Kostümbildentwürfen Kostüme entstehen – und wie Schauspieler hinter der Bühne ein Kostüm schnell wechseln können – wenn es darauf ankommt in weniger als einer halben Minute.

Die zweite Gruppe begleitete Dramaturg Peter Krauch unterdessen in die Probenbühne – ein Raum mit exakt denselben Maßen wie die große Theaterbühne am Goetheplatz. Dort wartete eine Überraschung: die Liveprobe einer Schlüsselszene aus „Das weite Land“. Sebastian Mirow als Unternehmer Friedrich Hofreiter und Constanze Weinig als seine Frau Genia führten in einem fulminanten Dialog mitten hinein in den Grundkonflikt des Stücks – und beantworteten danach mit großer Offenheit die interessierten Fragen des Publikums. Wie eignet man sich diese Textmengen an? Gab es schon einmal Verwechslungen zwischen verschiedenen, parallel einstudierten Stücken? Ist eine Charakterstudie schwieriger zu spielen als eine Komödie?
Zum stimmungsvollen Abschluss versammelten sich alle Teilnehmer auf der zweiten Probenbühne. Schauspieler Oliver Jacobs sang – am Klavier begleitet von Schauspielmusikleiter Hans-Georg Wilhelm – drei Lieder aus dem Liederabend „Imagine“, der die aktuelle Spielzeit beschließen wird. Beim vierten Lied, John Lennons unsterblichem Titelsong, sangen viele der Gäste mit.
In seinen abschließenden Worten würdigte Dr. Baader die Einzigartigkeit des Abends und dankte herzlich allen Beteiligten – von Nicola May über Kekke Schmidt, Peter Krauch und Anne Klein bis zu Janina Goy und Schriftführerin Iris Neininger – und schloss mit einem Toast: „Auf unser schönes Theater!“ Noch über eine Stunde saß man in gemütlicher Runde beisammen. Der lange, angeregte Ausklang des Abends zeigte: die Verbundenheit zwischen Theater und Patronatsgesellschaft ist sehr lebendig.








